Web 2.0

Unter dem Begriff Web 2.0 wird keine grundlegend neue Art von Technologie verstanden. Er beschreibt vielmehr die veränderte Nutzung des Internets, bei der dessen Möglichkeiten konsequent genutzt und weiterentwickelt werden. Web 2.0 stellt eine Evolutionsstufe hinsichtlich des Angebotes und der Nutzung des World Wide Web dar, bei der nicht die reine Verbreitung von Informationen, sondern die Beteiligung der Nutzer am Web im Vordergrund steht.

Entwicklung zum Web 2.0

Nachdem das World Wide Web im Jahr 1989 von Tim Berners-Lee entwickelt wurde, wuchs es zunächst nur sehr langsam. Die wenigsten Unternehmen erkannten das Potenzial und nur eine geringfügige Anzahl an Haushalten legte sich einen Internetanschluss zu. Die ersten Webseiten waren rein statisch und dienten lediglich der Bereitstellung von Informationen. Mit der Zeit entwickelten sich jedoch nicht nur Hardware und Verbindungsgeschwindigkeit, sondern auch die bestehenden Technologien und mit ihnen die Angebote im Internet. Webseiten wurden dynamisch und konnten auf Benutzereingaben reagieren. Es entwickelten sich nicht nur die angebotenen Dienste, sondern auch die Zugangsvoraussetzungen für die Benutzer, sodass das Internet mittlerweile von breiten Schichten der Bevölkerung als Massenmedien verstanden und regelmäßig genutzt wird. Der aktuelle Zustand des Internets wird zurzeit mit dem Begriff Web 2.0 bezeichnet. Doch viele Anwendungen, die jetzt diesem Begriff zugeordnet werden, existieren schon bedeutend länger als die Bezeichnung selbst.

Maßgeblich geprägt wurde der Begriff des Web 2.0 von Tim O’Reilly, dem Gründer des gleichnamigen Verlages, in seinem Ende September 2005 veröffentlichten Artikel „What is Web 2.0“. Der Zusatz „2.0“ findet seinen Ursprung in der Software-Entwicklung. Hierbei werden verschiedenen Versionen eines Programmes aufsteigend Nummern zugeordnet. Eine Erhöhung der Ziffer nach dem Komma lässt auf eine kleine Veränderung schließen. Eine neue Ziffer vor dem Komma hingegen bedeutet meist eine grundlegende Veränderung im Vergleich zu der vorausgegangenen Version. Da das Internet an sich nicht dieser Funktionslogik entspricht und somit auch keine offizielle „Web 1.0“-Version bekannt ist, erscheint die Bezeichnung des Web 2.0 auf den ersten Blick fragwürdig. Jedoch spiegelt dieser den offensichtlichen Wandel des Internets in einem kurzen und prägnanten Begriff wider.

Kennzeichen des Web 2.0

Tim O’Reilly benennt in seinem Artikel signifikante Merkmale, an denen sich Web 2.0-Anwendungen messen lassen sollen. Wesentliche Punkte resultieren dabei nicht unbedingt aus neuen Entwicklungen, sondern ergeben sich viel mehr aus der vollkommenen Ausschöpfung bereits lang vorhandener Potenziale des Internets. Komplexe Programme werden dank des Internets nicht mehr nur auf einem lokalen Rechner, sondern mittlerweile im Internet ausgeführt. Trotz dessen benötigen Benutzer auch hierbei immer noch eine Desktop-Applikation, um die jeweilige Webseite erreichen und nutzen zu können. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um einen Internetbrowser.

Kollektive Intelligenz

Mithilfe der globalen Vernetzung durch das Internet trennen sich die Nutzer von der Lokalität ihres eigenen Rechners und machen sich die kollektive Intelligenz aller Internetnutzer nutzbar. Die praktische Umsetzung dieses Aspekts kann dabei auf verschiedene Ansätze aufbauen. Zum einen wird das bereits im Internet vorhandene Wissen für alle Nutzer zugänglich gemacht – im Idealfall geschieht dies durch entsprechende Verlinkungen. Effektive Suchalgorithmen machen außerdem eine erfolgreiche Internetrecherche deutlich einfacher. So erhalten Nutzer des Web 2.0 Zugang zu einer Vielzahl an Informationen und das mit nur geringem Aufwand. Zum anderen bieten Internetnutzer ihr Wissen oder Erfahrungen auf Internetseiten an und machen diese der breiten Masse zugänglich. Die Qualität der bereitgestellten Informationen ist dabei abhängig von der Aufrichtigkeit und dem Wissen der jeweiligen Autoren. Die Vernetzung dieser Informationen mit zahlreichen anderen, eröffnet für die Benutzer des Web 2.0 das Nutzen der kollektiven Intelligenz des Internets.

Vereinfachte Programmierung

Während in der Entwicklung von Desktop-Applikationen immer noch eine starke Ausprägung von kompontentenbasierter Software-Entwicklung gefordert wird, können innerhalb des Web 2.0 kleinere Services unabhängig voneinander benutzt und wiederverwertet werden. Die Barrieren der Wiederverwertung bestehender Komponenten, wie beispielsweise HTML-Fragmenten oder RSS-Anwendungen, sind prinzipiell eher niedrig. Dieses Prinzip erleichtert eine erfolgreiche Entwicklung von immer neuen Programmen auf Basis bewährter Komponenten.

Mobilität

Dem Anspruch einer umfassenden Zugänglichkeit des Internets, wird das Web 2.0 mehr als gerecht. Schon heute verzichten immer mehr Menschen auf einen traditionellen Stand-Computer und greifen für die Internetnutzung auf mobile Endgeräte zurück. So ist es im Web 2.0 jederzeit möglich, via Smartphone oder Tablet auf die Daten zuzugreifen. Aber auch andere Geräte, wie beispielsweise Telefonate oder Autos, erhalten derzeit einen eigenen Internetanschluss, können entsprechend angebotene Services nutzen und zusätzlich eigene Daten übermitteln. Dadurch ist der Internetnutzer äußerst mobil unterwegs und kann jederzeit die Vorteile des Web 2.0 nutzen.

Nutzererfahrungen

In den heutigen Zeiten steht die User Experience im Internet an oberster Stelle. So werden immer neue Programme und Gadgets entwickelt, um dem Internetuser eine möglichst positive Nutzererfahrung zu bieten. Im Zusammenhang mit neuen und altbewährten Technologien werden eines Tages vermutlich noch weitere und interaktivere Anwendungen online gestellt.

Aufgrund der hohen Konnektivität des Web 2.0 steht jedoch nicht nur der einzelne Nutzer im Vordergrund. Das Web 2.0 verbindet im Vergleich zum Web 1.0 nun nicht mehr nur Computer miteinander, sondern Menschen. Daraus entstehende Communities bilden den Kern der heutigen Internetnutzung. In zahlreichen Foren und Plattformen schließen sich fremde Menschen zu Internetgemeinschaften zusammen und teilen ihre Erfahrungen und Interessen miteinander.

Mitmach-Web

Nicht konsumieren, sondern selbst Inhalte erstellen und mit anderen teilen, heißt die Devise des Web 2.0. Das Web, welches über Jahre hinweg weitgehend als Informationseinbahnstraße gedient hat, wird nun zum interaktiven Medium. Viele tausend Nutzer beteiligen sich beispielsweise an Arbeiten an Online-Enzyklopädien, viele Millionen schreiben Blogs. Soziale Netzwerke verzeichnen einen beispiellosen Zulauf an neuen Nutzern. Tagtäglich werden Millionen Inhalte von den Nutzern selbst erschaffen und im Web 2.0 für andere bereitgestellt.

Konsequenzen für das Online-Marketing

Durch die stetige Weiterentwicklung des World Wide Web haben sich viele Marketing-Zweige, wie beispielsweise das Social Media Marketing, erst entwickelt. Zugleich wurde auch die Suchmachinenoptimierung durch die immer neuen Möglichkeiten immer komplexer und vielseitiger. Viele Unternehmen nutzen die Möglichkeiten des Web 2.0 und setzten wirkungsvolle Marketing-Maßnahmen ein. So wurden für die Berechnung der Popularität der Unternehmenswebseite nun auch sogenannte „Social Signals“ miteinbezogen – Nutzersignale, die Webseiten über Social Media geteilt oder empfohlen haben. Zugleich konnten Unternehmen ihre Reichweite durch das Setzen von Backlinks oder durch den Einsatz von Social Media enorm erweitern. Aufgrund der hohen Interaktivität im Web 2.0 stehen die Nutzer nun noch mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie können seither öffentlich ihre Meinung zu Produkten oder Dienstleistungen äußern und sich mit ihrer Kritik direkt an die Unternehmen wenden. Folglich ist es für viele Unternehmen seit der Einführung des Web 2.0 umso wichtiger, auf diese Entwicklungen zu achten und aktives Content- und Reputationsmanagement zu betreiben.